Geschichte

Nach dem Ende des ersten Weltkrieges erlebte das studentische Vereins- und Verbindungswesen einen gewaltigen Aufschwung. Waren 1913 nur ca. ein Drittel der Studenten in der einen oder anderen Weise organisiert, strömten sie in den Jahren nach 1918 in großer Zahl in die Korporationen. Bis zur Mitte der 1920er Jahre waren über 60 Prozent Angehörige einer Studentenverbindung. In dieser Zeit entstanden viele neue Verbindungen und lose Zirkel wie Vereine wurden in Korporationen umgewandelt. Ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung dürfte wohl die Tatsache gewesen sein, dass Studentenverbindung gerade in dieser historischen Phase des gesellschaftlichen, ökonomischen und politischen Wandels nach dem Weltkrieg Halt und Orientierung boten.

In diesem Klima wurde auch unsere Studentenverbindung am 11. Mai 1922 von Mitgliedern des Regensburger CV - Zirkels als K.D.St.V. Ratisbona (= lateinischer Name Regensburgs) mit Unterstützung der in München ansässigen K.D.St.V. Vindelicia ins Leben gerufen. Als Verbindungsfarben wurden rot-weiß-blau als Ausdruck der Landesfarben Bayern und der Wappenfarben der Stadt Regensburg gewählt. Der Wahlspruch lautete „Einigkeit macht stark!“.

Wie aus den Gründungsdokumenten hervorgeht, waren es folgende Überlegungen, die zur Gründung führten: Das gesamte Hinterland Regensburgs, die Oberpfalz und Niederbayern waren katholisch geprägt und boten somit die strukturelle Voraussetzung für eine hohe Anzahl potentieller Mitglieder. Die wirtschaftlichen Verhältnisse veranlassten einen Großteil der Abiturienten einen Teil ihres Studiums in Regensburg statt in einer der entfernten und teuren Universitätsstädte zu verbringen. Dort befand sich eine Philosophisch-Theologische Hochschule für die Ausbildung katholischer Priester. In den Jahren nach dem ersten Weltkrieg konnten auch Studenten anderer Fachrichtungen ihr Grundstudium an dieser Hochschule absolvieren, da die Landesuniversitäten mit kriegsheimkehrenden Studenten an ihre Kapazitätsgrenzen gelangt waren. Die unter Studenten aus der Oberpfalz und Niederbayern traditionelle Dominanz der schlagenden Verbindungen (= Corps, Burschenschaften, Landsmannschaften) sollte, so die Überzeugung der Gründungsväter, durch die Existenz einer katholischen farbentragenden Studentenverbindung gebrochen werden.

Kurz nach ihrer Gründung wurde Ratisbona am 13. Juni 1923 als befreundete Verbindung in den CV (Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen) aufgenommen. Nach mehrjährigem Wachstum geriet unsere Korporation jedoch Ende der 1920er Jahre in eine ernste Existenzkrise. Dies lag zum einen daran, dass sich der Vorlesungsbetrieb an den Landesuniversitäten normalisiert hatte und daher immer weniger Studenten ihr Grundstudium in Regensburg absolvierten. Zum anderen wurde es von Seiten der Leitung des Priesterseminars nicht gerne gesehen, wenn Priesteramtskandidaten Mitglieder einer Verbindung waren. Daher wurde unsere Verbindung nach München verlegt und mit Unterstützung des MCV (Zusammenschluss der Münchner CV-Verbindungen) insbesondere der K.D.St.V. Aenania München 1930 als K.D.St.V. Ratisbona München unter Übernahme der Tradition der K.D.St.V. Ratisbona Regensburg gegründet und auf der kommenden Cartellversammlung als 94. Verbindung in den CV aufgenommen.

Bald musste unser Name auf Grund des Einspruchs des in München ansässigen Corps Ratisbonia bei der Universitätsleitung in K.D.St.V. Radaspona (keltischer Name Regensburgs) umbenannt werden, um mögliche Verwechslungen zu vermeiden. Da die bereits 1863 gegründete K.D.St.V. Ripuaria Bonn die Farben blau-weis-rot führte, musste unsere Farbfolgen in weiß-rot auf blauem Grund geändert werden.

Trotz eines erfreulichen Neuanfangs in München wurde es nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 und den damit verbundenen Repressalien für die katholischen Verbände immer schwieriger einen geregelten Verbindungsalltag aufrecht zu erhalten. Als sich der CV am 27. Oktober 1935 selbst auflöste, stellte auch unsere Verbindung ihren Aktivenbetrieb ein. Jedoch trafen sich noch bis 1938 regelmäßig Bundesbrüder zu Stammtischen, ehe auch die Altherrenverbände der Verbindungen aufgelöst wurden. Während des Zweiten Weltkrieges konnten die Fahne, Mobiliar und unser Archiv von einigen Alten Herren der Verbindung über diese dunkle Zeit hinweg gerettet werden.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde kurzfristig erwogen, die K.D.St.V. Radaspona an ihrem Gründungsort Regensburg wieder ins Leben zu rufen. Man war hatte jedoch von dieser Idee bald wieder Abstand genommen. Stattdessen wurde die Gründung der K.D.St.V. Rupertia 1947 tatkräftig von Regenburger Philistern der Radaspona unterstützt. Dies kam unter anderem dadurch zum Ausdruck, dass die Rupertia in den ersten drei Jahren nach ihrer Gründung in den Wichsen der Radaspona chargierten, die Krieg überdauert hatten. Diese engen Beziehungen fanden ihren Ausdruck darin, dass die Rupertia bereits 1951 das Freundschaftsband an die Radaspona verliehen hatte, worauf 1952 gleichfalls das Freundschaftsband an die Rupertia verliehen wurde.

Die Initiative zur Wiederbegründung der K.D.St.V. Radaspona selbst erfolgte erst zu Beginn der 1950er Jahre.

Als kleine und erst relativ spät wieder ins Leben gerufene Verbindung, der offizielle Verbindungsbetrieb wurde erst 1950 wieder aufgenommen, gelang es Dank des großen Engagements der Bundesbrüder ein geregeltes Verbindungsleben zu organisieren. Anfang der 1960er Jahre konnte dann im Heim des KKV Hansa (= Katholischer Kaufmannsgehilfen Verein Hansa, ein katholischer Sozialverband für Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung) ein dauerhaftes Verbindungslokal gefunden werden.

Ein wesentlicher Meilenstein in der jüngern Geschichte unserer Korporation war dann der Erwerb unseres Verbindungshauses in der Tizianstraße 20 im Münchner Stadtteil Nymphenburg/Gern. Das Haus wurde 1967 erworben und konnte 1969 bezogen werden. Anfang 1981 verstärkten sich Kontakte zur K.Ö.St.V. Kürnberg im ÖCV zu Wien. Im Laufe mehrere Besuche und Gegenbesuche in Wien und München hatten sich die freundschaftlichen Beziehungen zwischen unseren Verbindungen soweit vertieft, dass am 29. Januar 1983 auf einer Freundschaftskneipe in Salzburg offiziell die Freundschaftbänder zwischen unseren Verbindungen getauscht wurden.

1997 konnten wir dann auf 75 Jahre Radaspona im Rahmen eines eindrucksvollen Stiftungsfestes zurückblicken und bemühen uns auch weiterhin gemäß dem Wahlspruch „Einigkeit macht stark“ unseren Weg in die Zukunft weiter fortzusetzen.